Kanackenland oder die größte Lagune der Welt

Ja, so ist das, wenn man(n) Versprechungen macht. Von wegen in ein oder zwei Tagen folgt der Blogeintrag …. Sorry,sorry,sorry ! Es ist in den letzten vier Wochen so viel passiert, das ich überhaupt nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll ! Mit Noumea: Wird hier auch die WEISSE Stadt genannt. Nicht weil die Gebäude schön weiß sind – sind sie eher selten – sondern weil die Bewohner praktisch nur aus Weissen ( Franzosen ) besteht. Klar sieht man auch mal Farbige, eben die Kanacken, wovon die meist jüngeren Weiblichkeiten irgendwo einen Jo haben und am Stadtrand leben oder Männlichkeiten, die als Schnorrer durch die Parks ziehen. Noumea ist eine quirlige Hafenstadt mit sehr viel mittelständischer
Industrie in den Außenbezirken. Ein guter Segelfreund aus Tahiti sagt, das hier richtig Geld verdient wird, Papeete sei dagegen ein verschlafenes Nest. Für uns bedeutet das, das wie üblich bei unseren Nachbarn, nur sehr wenige Menschen englisch sprechen. Aber meine sprachtalentierte Capitänin kommt da immer besser mit klar – ich
verstehe nur ‘Bahnhof’….. Allerdings hat dieser hohe Lebensstandard für uns einen immensen Nachteil: Es ist alles wahnsinnig teuer ! ca. das 2 bis 3fache gegenüber unserem deutschen Preisniveau. Am schlimmsten sind die Preise für Obst und Gemüse: z.B 1 kg Äpfel aus NZ 5 bis 6 ?. Eine Papaya ( die hier wächst !) ca. 8 ? In Fiji gab es einen ganzen Zentner dafür ! Eine Ananas ca. 10 ?. Und der Käse – natürlich fantastisch – rund 25- 50 ? /kg. Dennoch führen wir ein Leben wie Gott in Frankreich! Morgens ein frisches Baquette und Croissaunt – jedenfalls bis heute, denn morgen früh verlassen wir die Zivilisation. Unsere Freunde sind mittlerweile alle in AUS oder NZ – wir sind immer noch hier. Noch ein Thema, welches uns hier aus besonderen Gründen sehr belastet, ist das Internet. Man ist der Meinung, man kommt in eine Weltstadt und ist dann internetmäßig in der 3. Welt ! Ach, war Fiji toll! Es gibt ein – sogar kostenfreies – Marinawifi. Mit ganz viel Glück kann man damit nachts um 3:00 seine Mails abrufen. Aber wirklich nur mit viel Glück ! Also haben wir uns von dem Monopolisten (hier in der Stadt) POST einen Account gekauft. Der geht nach Volumen und Zeit. Man kann eine oder 24 Std abrufen und mit ganz viel Glück auch hier klappt es.Wenn auch gaaaanz langsam. Dann gibt es noch einen freien Anieter, der sein Funkmasten nur am Stadtrand aufstellen darf dank Postmonopol. Zeitweise ist das recht gut, meistens aber auch schlecht – allerdings
soll es Abschnitte geben, wo es gut arbeitet. Dafür kostet dann ein Monat preisgünstige 100,-? !- Für eine Woche hatten wir einen erstaunlich günstgen Mietwagen. Einen fast neuen Ford-Fiesta. Seitdem sind wir Fiesta-Fans. Fahrer und Beifahrer haben Platz wie in meinem geliebten Audi A 6 ! Und das in einem Kleinwagen mit 5 ltr Verbrauch, toll ! Neu Kaledonien ist ca. 700 km lang und i.M. 150 km breit mit seht unterschiedlichen Zonen. Wir haben schon schönere und interessantere Inseln erkundet, dennoch ist diese Vielseitigkeit schon beeindruckend. Am nachhaltigsten werden uns die Berge – die sich praktisch über die ganze Insel ziehen – in Erinnerung bleiben. Nicht wg. ihrer Schönheit,
sondern wie sie umgegraben werden. Praktisch überall wird Nickel abgebaut – ist in jedem Eurostück enthalten. Dank der o.a. Verständigungsprobleme konnten wird nicht wie üblich intensiv in die Kultur ect einsteigen. Nur so viel: Wenn ich Kanacke wäre, ich würde auch heftigst dagegen protestieren, wie meine Heimat ausgebeutet wird und ich selbst davon wahrscheinlich kaum profitiere !

Und was ich Euch jetzt erzählen muss, ist der Grund unserer langen ‘Abwesenheit’ und der Grund warum wir noch hier sind .. und es fällt mir schwer: Unsere TAMORA hat ab Weihnachten einen neuen Eigner! Es gab dafür mehrere Gründe. 41 Fuss sind auf der Ostsee recht ordentlich. Für das Langzeitsegeln mit zunehmendem Alter zu klein ! Ihr glaubt nicht, wie oft ich mir den Kopf blutig stosse. Ich bin- im Gegensatz zu meiner lieben Capitänin – a bisserl segelmüde. Und es spielten auch kaufmännische Überlegungen eine Rolle. Boot und Motor sind 33 jahre jung. Die Segel sind nach mehreren Jahren Mittelmeer, fünf Jahren Ostsee und rund 23000 SM Langfahrt auch müde…. So kam halt eines zum anderen welches uns mit einem netten Amerikaner Namens Jemison zusammenbrachte.
Tamora wird zukünftig unter amerikanischer Flagge und anderem Namen über die Weltmeere ziehen. Das Boot ist keinesfalls verschlissen, sondern HEUTE noch in einem Top-Zustand, wie ein Gutachten ergab, das Jemison in Auftrag gegeben hatte. Hier macht sich jetzt unser teilweise mühevoller und kostspieliger Pflege- und Erhaltungsaufwand bezahlt. Wir sprechen hier auf unserer Hompage von einer Weltumseglung in drei oder vier Jahren. Wir haben jetzt 4,5 Jahre hinter uns. Und seit wir auf den Gesellschaftsinseln begonnen haben zu reisen statt zu rasen, haben wir dermaßen viel erlebt, viele Freundschaften geschlossen, Eindrücke gewonnen von denen wir ewig zehren werden. Es sind Menschen dabei, die wir tief in unseren Herzen verankert haben. Die wir nie mehr wiedersehen werden und wahrscheinlich – mangels E-Mail -nie mehr von ihnen lesen
werden. Aber sie bleiben uns unvergeßlich ! Das hat unsere Reise ausgemacht – nicht soundso viele Meilen auf irgendeinem Ocean…. Gern wären wir wieder in den Fischereihafen Travemünde eingelaufen. Bei unserem Reisetempo hätte das wohl nocheinmal fünf Jahre gedauert ! Unsere persönlichen Sachen stehen – verteilt auf 20 Kartons – im Speditionslager und werden wohl irgendwann in Travemünde ankommen. Wir
selbst gehen definitiv am 28. Dezember von Bord (schniief) und fliegen nach Australien. Bis zum 8. Februar wollen wir die Bundesstaaten NS Wales und Victoria per Campervan erkunden, dabei versuchen, pünktlich zum weltberühmten Silvesterfeuerwerk in Sydney zu sein um dann am 9. Februar im kalten Deutschland aufzuschlagen. Bitte geht nicht gleich flüchten, es folgen noch ganz viele Fotos von Neukaledonien und
natürlich von Australien – sobald wir wieder ‘normale’ Internet-Verhältnisse haben. Deswegen sagen wir hier und jetzt auch noch nicht tschüss, sondern wir wünschen Euch eine stimmungsvolle Adventszeit!

Fair Winds