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Island Logbuch – Teil 10

Einleben auf Island

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Wir sind wohl an einem ganz hübschen Fleckchen Erde hier gelandet. Vor uns hohe kahle Berge an denen die Wolken hängen bleiben und uns somit sonniges, mildes Wetter bescheren, hinter uns der Vatnajökull, nach dem Volumen größter Gletscher Europas.
Neben uns liegt nur noch eine andere Yacht im Hafen…interessanterweise eine Bavaria 46 Cruiser. Allerdings scheint sie schon etwas länger hier zu sein, der Rumpf ist mit einem langen grünen Algenteppich bewachsen und auch ansonsten lässt der Pflegezustand sehr zu wünschen übrig.. Ansonsten scheint die Stadt relativ ruhig zu sein.

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Wir wandern ums Hafenbecken und suchen nach dem Hafenbüro, um uns offiziell anzumelden, werden aber nicht fündig. Die einsame Verkäuferin in einer kleinen Pommesbude direkt am Ort hilft uns jedoch gerne weiter und ruft kurzerhand den Hafenmeister an, der dann auch eine viertel Stunde später bei uns am Boot steht. Er wirkt etwas kauzig und spricht sehr leise, so dass wir kaum etwas verstehen. Wir dürfen aber wohl die nächsten Tage an der Tankpier liegen bleiben. Auf unsere Frage nach Trinkwasser zuckt er mit den Schultern und verschwindet. Wir überlegen schon die nette Dame aus der Pommesbude erneut um Hilfe zu bitten, als er plötzlich wieder mit einem Schlauch auf dem Steg steht. Ein Ende drückt er uns in die Hand, das andere Ende stöpselt er an einen weiteren Schlauch den er zuvor aus der Hafenbrühe fischt. Auf unserer Nachfrage ob das denn jetzt auch wirklich Trinkwasser sei antwortet er „This is the best drinking water of the world“. Seltsamerweise läuft dieses „best drinking water of the world“ hier 24 h am Tag ins Hafenbecken. Wir drehen zwar nachdem wir unseren Tank aufgefüllt haben, ganz unserer guten Erziehung folgend den Harn zu, nach 20 min hat ihn jedoch irgendein Fischer schon wieder geöffnet. Nun gut…Wasserprobleme scheint es hier auf Island schon mal nicht zu geben.
Kurze Zeit später stoppt ein Polizeiwagen am Steg und wir werden von 2 Beamten von Custom und Immigration besucht. Sie händigen uns 5 Formulare aus, die wir gewissenhaft ausfüllen. Bis auf 48 Liter Bier müssen wir sämtliche alkoholischen Getränke in eine Backskiste räumen, die anschließend verplombt wird. Da wir aber vorhaben höchstens 5 Tage auf Island zu bleiben, sollten wir trotzdem nicht in alkoholische Engpässe geraten. Nach ca. 1 Stunde haben wir es dann endlich geschafft und sind offiziell in Island einklariert.
Als nächster Punkt steht ausgiebige Körperpflege auf unserer To-Do-Liste. Immerhin liegt die letzte Dusche über eine Woche und mehr als 1000 Meilen zurück. Da es im Fischereihafen aber keine sanitären Anlagen gibt, machen wir uns, wie von Pommesbudenverkäuferin, Immigration-Officer und Hafenmeister empfohlen auf den Weg zum örtlichen Schwimmbad.

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Leider hier in Hoevn keine blaue Lagune mit warmem Geysir-Wasser, sondern ein ganz normales gechlortes Freibad. Da wir aber zum Duschen und nicht zum Schwimmen hergekommen sind, drehen wir nur eine Runde durch den kleinen Pool, klemmen uns den überfüllten Whirlpool und machen uns schon bald auf zum Supermarkt nebenan. Der EC-Automat akzeptiert die Visa-Card und spuckt isländische Kronen aus.
Wieviel wir da nun wirklich abgehoben haben, soll zunächst im Dunkeln bleiben…allzu viel kann es allerdings nicht gewesen sein, denn nachdem wir uns etwas Fleisch und Salat gekauft haben bleibt kaum etwas übrig.
Außer dem Supermarkt und dem Schwimmbad entdecken wir noch eine Touristeninformation, zwei kleine Gästehäuser und Restaurants. Zurück am Boot schrauben wir den Heckkorbgrill an Reling, werfen noch einen kurzen skeptischen Blick auf die nahegelegene Dieselzapfsäule und grillen uns unsere ersten isländischen Steaks.

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Island Logbuch – Teil 9

Samstag 02.08.08
00:10 Uhr
Wir sind jetzt schon ziemlich dicht unter Land. Gespenstisch hängen die Wolken zwischen den hohen Bergen. Die Landschaft mutet an wie aus einem Phantasiefilm. Wir sind vor den Wind gegangen und surfen die relativ steilen Wellen herunter. Hoffentlich wirkt sich der Landschutz bei der Ansteuerung etwas beruhigend auf die Wellen aus. Weiterhin 7bft.

1:30 Uhr
Plötzliche Fallwinde haben uns gezwungen die Fock wegzunehmen und den Motor anzuschmeißen. Die Atmosphäre ist unwirklich. Verschieden hohe Wolkenschichten bewegen sich unterschiedlich schnell in verschiedene Richtungen. Beim bergen des Segels verlieren wir doch noch die oberste Segellatte aus der Fock, die sich den ganzen Tag so tapfer gehalten hat.
Links von uns befinden sich jetzt einige Steine die knapp vom Wasser überspült werden. Rechts ziemlich nah das Land und einige seltsame Gebilde die wie Hafenmolen aussehen. Auf unserer Karte können wir davon allerdings nichts entdecken.

4:00 Uhr
Wir sind drin. Haben vor einer guten halben Stunde am Tankpier im Fischereihafen Hoevn auf Island festgemacht. Endlich!
Die Ansteuerung hat uns das letzte abverlangt. 7 Knoten durchs Wasser, 2 Knoten über Grund. Mit 5 kn drückt das Wasser aus der relativ schmalen Einfahrt und wir mit Vollgas durch 2 Meter Welle gegenan. Keine angenehme Situation, ein Ausfall der Maschine hätte zweifelslos auf einem der vielen Felsen an der Einfahrt geendet. Doch irgendwie sind wir durchgekommen. Im Kanal bis zum Hafen dann immer noch ca. 3kn Gegenstrom und statt einem betonten Fahrwasser nur Richtfeuer. Aber wir haben es geschafft. Non-Stop von Den Helder bis Island. Und jetzt nur noch ins Bett!

Island Logbuch – Teil 8

Freitag 01.08.08

Willkommen im kühlen Norden

00:30 Uhr

Wir laufen mit 5,7 kn 296 Grad. Besegelung nur Fock, da bis zu 7 bft. Noch 123 Meilen bis Hoevn aufm Bock.

10:50 Uhr

Schäumend jagt Kira wie von der Leine gelassen mit bis zu 8 kn durch die schirr endlosen Weiten des North-Atlantic-Ocean. Noch immer hängt alles im dichten Nebel – hoffentlich legt sich das zur Ansteuerung auf die wir beide sowieso schon sehr gespannt sind. Der eigentliche Hafen liegt in einer Art Fjord. Wenn es so weiter geht haben wir das Vergnügen einer Ankunft im Dunklen. Mal sehen.

Tim genießt gerade das Ende seiner letzten Freiwache. Werde mal ein bisschen aufräumen und dann Kaffee kochen.

15:00 Uhr

Der Nebel lichtet sich. Allerdings briest es dafür auch weiter auf. Wir kommen sozusagen vom Regen in die Traufe. Schon als ich aufstehe merke ich im Vorschiff, dass sich das Wetter weiter verschlechtert hat, da ich alle paar Sekunden das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben darf, nur um wenig später wieder mit Gewalt in die Matratze gedrückt zu werden.
Wir gehen etwas höher an den Wind als wir eigentlich müssten, da wir eine weitere Winddrehung auf Nord-West befürchten.

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20:10 Uhr

Den ganzen Tag verbringen wir eingekeilt in der Kajüte. Kurze Besuche an Deck enden meistens in einem Vollbad. Gerade habe ich beim Blick zur Fock etwas beunruhigendes entdeckt: Die oberste Segellatte hängt anscheinend nur noch an einem Fetzen ihrer ehemaligen Tasche. Allerdings haben wir uns entschieden das Segel oben zu lassen. Ein Bergen und anschließendes neusetzen würde bei den aktuellen Verhältnissen der See und Wind von strammen 7 bft. sicherlich eine halbe Stunde dauern. Und ob wir die Segellatte wirklich retten könnten ist sowieso fraglich.
Immerhin scheint unser Plan aufzugehen… Wir kommen gut östlich von Hoevn in Landnähe und können dann vor den Wind gehen um den Hafen anzusteuern. Wir haben uns immer noch nicht entschieden ob wir bis zum Morgengrauen beidrehen sollen, der Drang endlich anzukommen wird in den letzten Stunden immer stärker.

23:15 Uhr

Land in Sicht. Soeben haben wir die ersten wolkenverhangenen Bergkuppen von Island gesichtet. Es dämmert so langsam vor sich hin und vermutlich werden wir genau zur dunkelsten Zeit hier an der Ansteuerung sein. Hoffentlich bleibt genug Restlicht um sicher einzulaufen.

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