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Island Logbuch – Teil 20

Made it!
Montag, 11.08.2008

04:00 Uhr

Im Morgengrauen schälen sich die ersten Bergrücken der Shetlands aus dem Dunst. Laut Shetland Coastguard bläst es im hinter uns liegenden Seegebiet wieder mit strammen 8 bft. Hier, direkt unter Land haben wir es lediglich mit moderaten 3 Windstärken – zudem aus einer günstigen Richtung – zu tun. Wir laufen unter Genua in den Northchannel ein – ein kaum betonntes Fahrwasser, welches uns durch ein Wirrwarr kleiner Inselchen in die Bucht von Scalloway führen wird.

06:15 Uhr

Scalloway – bis ins 17. Jahrhundert Hauptstadt der Shetlands – empfängt uns als verschlafenes Dörfchen mit gerade einmal 1000 Einwohnern.
Gut 20 m vor dem Visitor-Ponton des Scalloway-Boating-Clubs starten wir die Maschine, um gegen 6 Uhr Ortszeit den ersten Fuß auf Land zu setzen. Schnell finden wir anschließend den Weg in die Kojen.

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23:00 Uhr

Gegen 12 Uhr stehen wir auf, um die Umgebung zu erkunden. Auf Nachfrage teilen uns Locals mit, dass wir erst um 19 Uhr einen Schlüssel für die Besucherduschen des Boating-Clubs bekommen können.
Also sind noch weitere 7 Stunden ohne Dusche angesagt. Wir laufen ins nahegelegene Dorf und gönnen uns erstmal einen Pint im erstbesten und wohl auch einzigen Pub des Dörfchens. Später kehren wir noch zum Essen beim Chinesen! ein. Schon erstaunlich, dass es eine chinesische Großfamilie ausgerechnet in ein 1000-Seelendorf auf die Shetlands verschlagen hat. Huhn und Ente schmecken vorzüglich und so gestärkt laufen wir einmal um das Dorf.
Es gibt einen großen Fischereibereich wo wir uns für morgen Diesel erhoffen, aber auch noch etwas Sightseeing geeignetes: Eine offene Burgruine aus Zeiten Scalloways als Hauptstadt. Der Earl Patrick Stewart of Orkney und Lord of Shetland ließ  die Burg 1600 von Sklaven errichten. Diese nicht ganz so feine Aktion und weitere Missetaten brachten dem guten Mann dann später auch den Tod durch die Guillotine ein.

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Die Burg ist komplett zu besichtigen und bis in letzte Ecke ausgefegt und aufgeräumt. Ein Schild an der Tür liefert die Begründung: „Do not lock the door. Cruising ship day!“

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Wir beenden unseren Rundgang über die grüne Insel, fotografieren noch schnell ein paar grasende Shetland-Ponys und kehren zurück zum Club, um endlich die langersehnte Dusche zu nehmen. Zügig  packen wir unsere Plünnen und stürmen das Clubhaus. Freundlich werden wir hereingebeten und sofort aufgeregt gefragt ob wir die „yacht people“ sind. Die Aufregung scheint verständlich: Weist doch das Gästebuch lediglich 20 Yachten pro Jahr auf.
5 Pound werden für Dusche, Waschmaschine und Trockner pro Nacht fällig. Das wirkt günstig, ist aber in Anbetracht der normalen Preise in Großbritannien geradezu phänomenal. Vor 2 Jahren wurden in der Marina Brighton immerhn 23 Pound fällig – wohlgemerkt mit einem 25ft. Boot!

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Wir ordern erstmal zwei Pint und kommen mit dem Barkeeper und dem einzigen anwesenden Clubmitglied in Gespräch. Nick wirkt etwas seltsam, ist jedoch sehr hilfsbereit und zückt auf unsere Frage nach Diesel spontan sein Mobilephone, um seinen Kollegen Ian aus der Icefactory unser Bedürfnis nahe zu bringen.
Eine Tarifeinheit später haben wir schließlich ein Date mit Ian um 8 Uhr am nächsten Morgen.
Im Anschluss an diese gute Tat verbringt Nick eine halbe Stunde damit uns und dem Barkeeper umständlich etwas über den 25PS Mercury Außenborder des Kollegen seines Sohnes zu erzählen – doch wir verstehen nicht so recht worauf Nick nun eigentlich hinaus will. Da auch der Barkeeper etwas verständnislos drein blickt, kann es wohl nicht nur an dem etwas gewöhnungsbedürftigen Dialekt liegen.

Island Logbuch – Teil 19

Changes
Sonntag, 10.08.2008

Zu Beginn der 3. Wache lässt der Wind schlagartig auch 1 -2 bft. nach. Doch die See der Nacht steht noch und so wird jeder Segelversuch durch erbärmlich schlagende Segel vereitelt. Wir werfen widerwillig die Maschine an und gehen wieder auf Direktkurs Scalloway auf den Shetlands. In der Nacht sind wir nur 6 Meilen vertrieben – wir hatten deutlich mehr erwartet.

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Im späteren Verlauf des Tages legt der Wind auf 4 – 5 bft. zu und so ziehen wir wieder unter Vollzeug unsere Bahn. Der Wind hat zu unseren Gunsten gedreht, so dass wir unser Ziel Scalloway jetzt auch unter Segeln direkt anlegen können. Gegen 23 Uhr gehen wir jeder noch für eine Stunde schlafen, um fit für die bevorstehende Ansteuerung zu sein, die auf der Karte doch schon recht anspruchsvoll aussieht.

So far…

Island Logbuch – Teil 18

Es briest auf
Samstag, 09.08.2008

12:00 Uhr

„Gale Warning 272 – This is Faeroer Coastguard – Force 8 in sea area around Faeroer-Islands – later increasing“

Wir zischen mit 7 kn unter Fock und 2-fach gerefften Groß Richtung Südosten. Angesichts dieses Wetterberichts, der am Vormittag aus unserem VHF tönt fühlen wir uns etwas an der Nase herumgeführt. So hatte uns 14 Stunden zuvor noch das norwegische Fischereifahrzeug Olga Öresund einen herrlichen Segeltag mit raumen Winden um 5bft. versprochen. Statt dessen laufen wir im Moment hoch am Wind gegen 7bft. an und vereinzelte Wellen überspülen die Ankerplattform. unser Lebensraum beschränkt sich ab sofort wieder auf die Kajüte. Ein Hoch auf den Deckssalon.

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17 :10 Uhr

Es briest jetzt mehr und mehr auf. Wir befinden uns auf N61°00′, W003°57,5′ knapp 80 Meilen westlich der Shetlands und laufen mit gut 5 Knoten nur unter gereffter Fock weiter hoch am Wind (176°). In Anbetracht des nicht ganz optimalen Wetterberichts erhitzen wir uns eine Gulaschsuppe die wir direkt aus dem Topf verköstigen.

19:30 Uhr

Wir haben jetzt obere 8bft., dummerweise auch weiterhin aus Ost-Südost. Wir können nur froh sein, dass wir uns entschieden haben an der Westseite der Shetlands entlang zu segeln und nicht wie auf dem Hinweg nach Island die Ostseite zu wählen. So haben wir die glückliche Situation genug Seeraum zum ablaufen zur Verfügung zu haben. Das nächste Land Richtung Westen ist mehr als 1000nm entfernt – die Südspitze Grönlands. Zunächst versuchen wir aber weiter gegenan zu gehen…allerdings hat sich mittlerweile die See soweit aufgebaut, dass wir so gerade noch Süd laufen können.

22:15 Uhr

Die Gulaschsuppe heute nachmittag hat einfach nicht ausgereicht unsere Mägen angemessen zu füllen. So werden wir übermütig und wollen uns trotz des Wetters Nudeln in Pilz-Rahmsoße gönnen. Wer weiß was uns heute Nacht noch erwartet. Irgendwann ist das Essen dann auch wirklich fertig, doch die Freude soll nur kurz währen. Der Windmesser zeigt immer noch konstante 8bft. an. Nachdem wir von dem nahrhaften Gericht vielleicht 4 Gabeln genossen haben, kracht eine Welle so brutal gegen den Rumpf, dass sich der Topf aus der Halterung am Kocher löst, quer durch die Kajüte fliegt und seinen Inhalt am gegenüberliegenden Schott, in die Bilge und die Fugen der Bodenbretter ergießt. Tja viele Wellen sind gleich….doch manche sind anders 🙂
Wir verbringen die nächste Stunde mit der Entfernung der Nudeln, Knoblauchstückchen und Pilzköpfe 1. Wahl aus dem Bodenbereich des Salons.

Kaum sind wir damit einigermaßen fertig kracht eine 2. dieser „anderen“ Wellen an den Rumpf und fegt die unkaputtbare Tasse aus der Spüle. Murphys Gesetzen folgend trifft sie exakt das 15 cm breite Alustandbein des Salontisches und zerspringt ganz entgegen der Katalogbeschreibung in tausend Stücke.

Wir haben entgültig die Nase voll, bergen den Rest Segel und harren den Rest der Nacht der Dinge die da kommen mögen. Die Reinke liegt ohne jedes Segel und festgelaschtem Ruder erstaunlich ruhig in der mitlerweile schon beachtlichen See. Unter Deck kommt jetzt beim Schein der Petroleumlampe sogar ein Hauch von Gemütlichkeit auf, während um uns herum die See weiter tobt.