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Erichs Brötchen

Mittwoch, 3.9.2008

Gegen 8 H gehen wir nach dieser durchwachten Nacht ankerauf und motoren Richtung Barhoeft, wo wir einen kleinen Naturhafen entdeckt haben.
Claus ist begeistert davon, mit wie wenig Schlaf man auskommen kann, Lisa weniger und erklärt ihrem Magen geduldig, das ständige Auf und Ab sei völlig normal.
Die Fahrt nach Barhoeft wird erst angenehmer, als wir uns in der Landabdeckung befinden. Dann führt sie uns durch ein schönes Naturschutzgebiet mit ganzen Sandbänken voll von Kormoranen. Dennoch sind wir froh, hier nicht im Dunkeln anzukommen: neben der relativ schmalen Fahrrinne beträgt die Wassertiefe oft nur 70 bis 30 cm! Im kleinen Hafen angekommen werden unsere Vorleinen freundlich angenommen und wir melden uns um 10 H entgegen unserer Gewohnheit direkt beim Hafenmeister. Dann versuchen wir, den Schlafmangel durch Nahrungsaufnahme zu kompensieren: Wir brunchen gemütlich im Cockpit mit Brötchen, Konfitüre, Rührei und Weintrauben. Schlemmerreisen mit SY Kira!

Lisa ruht dann noch ein Stündchen, bevor wir uns endlich mal wieder eine Dusche gönnen. Danach erkunden wir den pittoresken Hafen und kurbeln die lokale Wirtschaft durch verstärkten Fischbrötchenkauf an. Auffällig ist dabei der ostdeutsche Charme aller, denen wir begegnen. Am Nachmittag erholen wir uns beim Lesen und Schlafen, bevor wir uns noch ein Abendessen in Form von Räucherfisch und Brötchen gönnen. Wir haben die begründete Vermutung, dass die Brötchen bereits zu Erichs Zeiten produziert wurden und heute immer noch abverkauft werden.
Den Abend verbringt Claus mit seinem guten Freund Bernard M.(=Buch), dann im Motorraum, während Lisa das Logbuch in den Computer tippt.

Funkdisziplin

Dienstag, 2.9.2008

Gegen halb 11 brechen wir bei vielversprechendem Wetter auf. Der Wind schiebt uns kräftig entlang der deutschen Ostseeküste, so dass wir uns entschließen, heute so richtig Strecke zu machen. Und tatsächlich fliegen wir geradezu auf dem Wasser – kein Vergleich zu gestern! Vorbei geht es an Poel, Kühlungsborn, Heiligendamm, Warnemünde und dem Darß.

Mittags gibt es einen frischen Salat, um die Crew vor Skorbut zu schützen. Doch als das Wetter gegen Nachmittag etwas frischer wird, braucht der Skipper noch eine heiße Teufelssuppe (auf der Verpackung wird ausdrücklich auf mögliche charakterliche Veränderungen hingewiesen…:-)). Zwischendurch nieselt es etwas, aber Kira spurtet mit 5 bis 7 Knoten durch die Ostsee.

Zum Abendessen bereiten wir uns leckere Country-Potatoes, dann verabschiedet sich Lisa in die Vorpiek, um Claus hellwach bei der Ansteuerung zwischen Rügen und Hiddensee zur Seite stehen zu können. An Schlaf ist aber noch nicht zu denken- es ist einfach noch zu früh!
Am Kap von Darß müssen wir dann für die letzten Meilen noch mal richtig an den Wind – da wird aus dem Schlafen auch nichts mehr.

Ein kleines Highlight der maritimen Abendunterhaltung bietet uns dann Kanal 16: gegen halb 2 scheinen sich zwei – möglicherweise alkoholisierte Fischer – über Funk zu beschimpfen. Die genauen Umstände können wir nicht ergründen, aber zumindest einer von ihnen flucht in stark gebrochenem Englisch „Fucking Russia“ in allen Variationen. Auch ein Aufruf, die ansonsten so heilige Funkdisziplin zu wahren „This is Lingby Radio. Please stop this nonsense!“ bringt nur wenig…
Die Ansteuerung des ausgeguckten Ankerplatzes erscheint uns aber dann doch zu heikel und wir ankern schon vor der Einmündung westlich von Hiddensee.
Dummerweise hat es kräftig aufgebrist und die tapfere Kira bäumt sich mit jeder Welle gegen den Anker auf. Der hält zwar, doch die Nacht wird zu einer ständigen Fahrstuhlfahrt und lässt uns nicht schlafen.

Die Dorschjagd

Sonntag, 30.8.2008

Glücklicherweise kam der Fischer nicht, auch nicht in den frühen Morgenstunden. Dafür haben Wolfgang und Silvia im Abendkleid noch einen Abstecher in Kiras Kajüte gemacht, bevor sie im Taxi nach Timmendorfer Strand gefahren sind, um zu feiern. Bei ihrer Rückkehr legen sie direkt ab, denn sie wollen vor dem Strand ankern. Doch gegen 8 fahren sie noch einmal bei uns vorbei und lassen uns eine Tüte Brötchen da. Auch wir kommen deshalb schon relativ früh aus der Koje und gönnen uns als erstes eine erfrischende Dusche.

Danach durchqueren wir den Ort, jeder mit einer Besorgung, die ihm besonders am Herzen liegt: Claus sucht Benzin für das Schlauchboot, Lisa frisches Obst. Bei strahlendem Sonnenschein werden wir beide fündig, wenn auch erst noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Niendorf. Vor dem Ablegen informiert uns unser Nachbar noch vorwurfsvoll, den Hafenmeister habe er bereits bezahlt, es sei ja niemand an Bord gewesen…man merkt ihm deutlich an, dass es ihm zu schaffen macht, dass der angekündigte Fischer uns nicht verscheucht hat! Doch insgesamt ist er, wie auch seine gesamt Sippe, uns gnädiger gestimmt und leiht uns sogar seine Luftpumpe, um das Schlauchboot aufzubauen. Das hat den Gewalttörn im Nordatlantik leider nicht so gut verkraftet und verliert immer wieder Luft. Trotzdem verlassen wir am späten Vormittag den Niendorfer Hafen und motoren vor den Strand, wo wir in der Nähe von Wolfgang und Silvia ankern. Dann wird erstmal ausgiebig gefrühstückt.

Während sich Lisa um ihre Bräune kümmert, rudert Claus an Land und macht sich erneut auf die Suche nach etwas ganz Speziellem: Flickzeug fürs Schlauchboot. Nach einer weiteren Odysee durch Niendorf kann er immerhin Fahrradflickzeug und Räucherfisch ergattern, bevor er wieder zurück zu Kira rudert. Nach einer kleinen Stärkung und der provisorischen Reparatur des Schlauchbootes steht für Claus eine weiterer Höhepunkt des Tages an: Es geht mal wieder auf Dorschjagd. Man möchte den armen Fischen fast zurufen „Versteckt Euch!“ – und sie scheinen es auf wundersame Weise verstanden zu haben, denn die Bemühungen sind nicht von Erfolg gekrönt…

Den Nachmittag verbringen wir bei Wolfgang und Silvia, bevor die beiden Männer der Ehrgeiz packt und sie für 2,5 Stunden erneut auf Dorschjagd verschwinden. Als die Angler, deren Geduld überraschenderweise doch mit einem Dorsch belohnt wurde, freudestrahlend längsseits gehen, brechen die beiden von der Uriel direkt auf, um noch nach Travemünde zurück zu fahren. Auf Kira lassen wir den Abend mit einem reichhaltigen Buffet ausklingen: Dorsch, Schillerlocke, gefüllte Paprika und Wraps mit Thunfischsalat.
Nach einem schönen Sonnenuntergang und unter einem beeindruckenden Sternenhimmel finden wir bald den Weg in die Koje.