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Island Logbuch – Teil 22

Ich muss weg…
Mittwoch, 13.08.2008

10:00 Uhr

Der Wind hat über Nacht deutlich zugelegt und auf Nord gedreht. Der Anker hält, wir liegen durch die Winddrehung jetzt aber relativ nah am Land.
Der Wetterbericht von Shetland Coastguard verspricht für die nächsten Tage nördliche Winde zwischen 3 und 6 bft. Für uns heißt das: Dinghi abbauen, aufräumen und los … Aber vorher gibt’s zur Stärkung noch einen leckeren Tomaten-Thunfisch-Zwiebelsalat mit Oliven, Mais, Bohnen, Parmesankäse und einem Joghurtdressing. Genau das richtige nach der Frühstück-Bihunsuppe :-).

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14:50 Uhr

So, zumindest haben wir das Dinghi schonmal leergeräumt und den Außenborder abgehängt. Die Schraube war in einem Wust von Seegras verknotet. Das läßt nichts Gutes für die Schraube der Hauptmaschine hoffen…

17:30 Uhr

Seeklar warten wir auf das angekündigte Nachlassen des Windes, um ankerauf zu gehen. Zum Anker hin motoren wird durch das dichte Seegras verhindert und zum Hand-über-Hand über den Anker verholen bläst es einfach zu sehr. Wir trinken erst nochmal einen Kaffee.

Unsere Gedanken kreisen um Sylt, unser nächstes Ziel. Wie wird das Wetter sein, wie die Hafensituation? Achja: Der Windmesser ist defekt. Er zeigt nur noch die Windrichtung an 🙁


18:00 Uhr

Und los! Stand der Logge (seit Abreise Island): 470nm.

Island Logbuch – Teil 21

Einsame Insel
Dienstag, 12.08.2008

Klingelingeling – 7:30 Uhr, Zeit zum tanken zu fahren. Wir starten die Maschine und motoren die 500 m quer über die Bucht zum Fischereihafen von Scalloway. Als wir uns auf dem Gelände der Icefactory auf die Suche nach Ian begeben, steht plötzlich Nick vom Vorabend mit einem riesigen Fisch-Kühlfahrzeug vor uns. Wir staunen nicht schlecht, er drückt sich plötzlich verständlich aus und kann sich seltsamerweise nicht mehr an uns erinnern. Da war aber jemand gestern wohl ziemlich betrunken…:-)

Einige Minuten Suchen und Nachfragen später müssen wir dann eine herbe Entäuschung hinnehmen. Ian ist nicht da – „er ist nach Lerwick gefahren, kommt aber gleich wieder“, werden wir vertröstet. Toll, da hätten wir ja doch ausschlafen können.

Eine Stunde später sind die beiden Tanks dann aber tatsächlich wieder voll und wir sitzen in Ians kleinem Büro in der Icefactory um die Rechnung zu begleichen.. 95 €-Cent werden für den Liter gefärbten Diesel fällig, anderen Sprit gibt es hier nicht. Mit unserer EC-Karte kommen wir wie schon vermutet mal wieder nicht weiter. Ian ruft zwar, wie schon der Autovermieter in Island bei irgendeiner Zentrale an um die Kartennummer durchzugeben, der Bezahlvorgang ist aber nicht erfolgreich. Doch kein Problem – Ian setzt sich und uns in sein Auto und fährt zum Geldautomaten!
Der Geldautomat steht in einem Supermarkt und mutet an wie eine Auflademaschine für Handyprepaidkarten, spuckt aber doch Geldscheine aus. Wir verproviantieren uns mit lokalem Rindfleisch, etwas Gemüse und füllen zurück im Scalloway-Boating-Club noch den Trinkwassertank nach.

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Um 12 Uhr gehts dann unter Genua bei 20°C und Sonne raus in die faszinierende Inselwelt der Shetlands. Endlich wieder Segeln im T-Shirt. 2 Meilen weiter fällt der Anker in der einsamen Tangi Voe auf der Insel Papa.

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Papa ist nur von Schafen bewohnt, ein einsames verfallenes Steinhaus steht am Rande der Bucht. Schnell ist das Dinghi aufgebaut und wir nehmen die kleine grüne Insel zumindest für heute in Besitz.

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Zur Nacht entfachen wir in der verlassenen Hütte ein Lagerfeuer aus Treibholz und genießen die Atmosphäre mit einem guten Schluck Vino de Tavola, während uns die Inselschafe etwas argwöhnisch beäugen.

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Island Logbuch – Teil 20

Made it!
Montag, 11.08.2008

04:00 Uhr

Im Morgengrauen schälen sich die ersten Bergrücken der Shetlands aus dem Dunst. Laut Shetland Coastguard bläst es im hinter uns liegenden Seegebiet wieder mit strammen 8 bft. Hier, direkt unter Land haben wir es lediglich mit moderaten 3 Windstärken – zudem aus einer günstigen Richtung – zu tun. Wir laufen unter Genua in den Northchannel ein – ein kaum betonntes Fahrwasser, welches uns durch ein Wirrwarr kleiner Inselchen in die Bucht von Scalloway führen wird.

06:15 Uhr

Scalloway – bis ins 17. Jahrhundert Hauptstadt der Shetlands – empfängt uns als verschlafenes Dörfchen mit gerade einmal 1000 Einwohnern.
Gut 20 m vor dem Visitor-Ponton des Scalloway-Boating-Clubs starten wir die Maschine, um gegen 6 Uhr Ortszeit den ersten Fuß auf Land zu setzen. Schnell finden wir anschließend den Weg in die Kojen.

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23:00 Uhr

Gegen 12 Uhr stehen wir auf, um die Umgebung zu erkunden. Auf Nachfrage teilen uns Locals mit, dass wir erst um 19 Uhr einen Schlüssel für die Besucherduschen des Boating-Clubs bekommen können.
Also sind noch weitere 7 Stunden ohne Dusche angesagt. Wir laufen ins nahegelegene Dorf und gönnen uns erstmal einen Pint im erstbesten und wohl auch einzigen Pub des Dörfchens. Später kehren wir noch zum Essen beim Chinesen! ein. Schon erstaunlich, dass es eine chinesische Großfamilie ausgerechnet in ein 1000-Seelendorf auf die Shetlands verschlagen hat. Huhn und Ente schmecken vorzüglich und so gestärkt laufen wir einmal um das Dorf.
Es gibt einen großen Fischereibereich wo wir uns für morgen Diesel erhoffen, aber auch noch etwas Sightseeing geeignetes: Eine offene Burgruine aus Zeiten Scalloways als Hauptstadt. Der Earl Patrick Stewart of Orkney und Lord of Shetland ließ  die Burg 1600 von Sklaven errichten. Diese nicht ganz so feine Aktion und weitere Missetaten brachten dem guten Mann dann später auch den Tod durch die Guillotine ein.

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Die Burg ist komplett zu besichtigen und bis in letzte Ecke ausgefegt und aufgeräumt. Ein Schild an der Tür liefert die Begründung: „Do not lock the door. Cruising ship day!“

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Wir beenden unseren Rundgang über die grüne Insel, fotografieren noch schnell ein paar grasende Shetland-Ponys und kehren zurück zum Club, um endlich die langersehnte Dusche zu nehmen. Zügig  packen wir unsere Plünnen und stürmen das Clubhaus. Freundlich werden wir hereingebeten und sofort aufgeregt gefragt ob wir die „yacht people“ sind. Die Aufregung scheint verständlich: Weist doch das Gästebuch lediglich 20 Yachten pro Jahr auf.
5 Pound werden für Dusche, Waschmaschine und Trockner pro Nacht fällig. Das wirkt günstig, ist aber in Anbetracht der normalen Preise in Großbritannien geradezu phänomenal. Vor 2 Jahren wurden in der Marina Brighton immerhn 23 Pound fällig – wohlgemerkt mit einem 25ft. Boot!

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Wir ordern erstmal zwei Pint und kommen mit dem Barkeeper und dem einzigen anwesenden Clubmitglied in Gespräch. Nick wirkt etwas seltsam, ist jedoch sehr hilfsbereit und zückt auf unsere Frage nach Diesel spontan sein Mobilephone, um seinen Kollegen Ian aus der Icefactory unser Bedürfnis nahe zu bringen.
Eine Tarifeinheit später haben wir schließlich ein Date mit Ian um 8 Uhr am nächsten Morgen.
Im Anschluss an diese gute Tat verbringt Nick eine halbe Stunde damit uns und dem Barkeeper umständlich etwas über den 25PS Mercury Außenborder des Kollegen seines Sohnes zu erzählen – doch wir verstehen nicht so recht worauf Nick nun eigentlich hinaus will. Da auch der Barkeeper etwas verständnislos drein blickt, kann es wohl nicht nur an dem etwas gewöhnungsbedürftigen Dialekt liegen.